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Was man von einem handfesten Bestsellerautor lernen kann…

Wenn Sie einmal Zeit und Lust haben, empfehle ich Ihnen, die Website des deutschen Autors Andreas Eschbach aufzusuchen (siehe unten).

Dort plaudert der Erfolgsautor (u.a. “Das Jesus Video” und “Eine Billion Dollar”) sehr offen und sehr ehrlich über seinen Ruf und dessen ganz praktische Verwirklichung.

Eschbachs Ruf
Es war schon immer mein Ziel, ja, aber ich habe lange gebraucht, um mir das eingestehen zu können. Ich konnte mir lange nicht vorstellen, dass jemand *nicht* Schriftsteller werden wollen könnte, und habe jahrelang nach anderen, weniger “überlaufenen” Lebenszielen gesucht. Aber natürlich nicht gefunden.“Seinen Ruf beschreibt er so: “Ich möchte erreichen, dass der Leser meines Buches seine Arbeit vernachlässigt, heimlich unter der Schulbank oder auf dem Klo weiter liest, seine Straßenbahnhaltestelle verpasst, abends sinnlos lange aufbleibt und liest und auf erotische Avancen des Lebenspartners erwidert: ‘Heute nicht, Schatz.’ “

Die Umsetzung: Den Kuchen backen
Interessant wird es, wenn Eschbach erzählt, wie die Umsetzung funktioniert. Es ist eine Sache, Schriftsteller sein zu wollen - und eine andere, tatsächlich Schriftsteller zu sein: “Es gibt natürlich viele Leute, die es sich nett vorstellen, Schriftsteller zu sein - aber das ist dann eher so, wie wenn unsereins Boris Becker in Wimbledon sieht und denkt, es wäre nett, Tennisprofi zu sein, all der Applaus, diese hübschen Pokale, viel Lob und Ehr und ein Haufen Geld… Aber das Durchhaltevermögen und Interesse, dafür jahrein, jahraus acht Stunden am Tag zu trainieren, Millionen von Bällen zu schlagen, wieder und wieder, sich die Kondition für fünf Stunden Kampf in praller australischer Sonne anzutrainieren - das ist es, was Berufung trennt von der Vorstellung, “es wäre ganz nett”. Die Vorstellung “es wäre ganz nett” möchte die Kirschen vom Kuchen essen, ihn aber nicht backen.

Vorsicht Hüpfen
Als besonders problematisch betrachtet er den Wechsel von einer Idee zur nächsten - ohne irgendetwas einmal zu Ende zu bringen. Seiner Begründung kann ich als ehemaliger “Projekthüpfer” nur voll und ganz zustimmen: “Psychologisch gesprochen ist das Hüpfen von angefangener Sache zu angefangener Sache eine Vermeidungsstrategie. Man merkt unterschwellig, dass das, was man zustande bringt, nicht so gut wird, wie man es gerne hätte, und wenn dann eine neue, andere Idee daherkommt, frisch und viel versprechend und noch nicht von dem Makel ungenügender Umsetzung befleckt, dann ist man nur allzu leicht bereit, das Misslungene im Stich zu lassen und es mit der neuen Idee zu probieren. Vielleicht bringt’s die ja.
Aber sie bringt es natürlich nicht, vielmehr misslingt es einem wieder. Die Kunst des Schriftstellers ist es ja eben, dass er imstande ist, eine Idee angemessen umzusetzen. Und das muss man lernen. Und man lernt es nicht, indem man immer wieder frisch anfängt. Man lernt es nur, indem man eine Sache zu Ende führt, und sie sich danach ernsthaft anschaut in dem Bemühen, was man besser hätte machen können.

Das bringt in der Tat das gesamte Dilemma auf den Punkt: Oft ist der Wunsch nach dem Besseren der Tod des Guten.

Wie abstrus diese Verweigerungshaltung ist, ein Projekt bis zum Ende durchzuziehen, macht Eschbach an folgender Metapher deutlich: “Ich will mal ein Beispiel konstruieren. Nehmen wir an, jemand sei relativ untrainiert, hat sich aber in den Kopf gesetzt, zu wandern. Ihm kommt in den Sinn, nach A-Dorf zu wandern. Frohgemut macht er sich auf den Weg, wird aber bald müde. Nun ist ihm nicht klar, dass er einfach ungeübt ist, vielmehr kommt er auf die Idee, sich zu sagen: “Ah, das mit A-Dorf war keine gute Idee, ich sollte vielleicht lieber nach B-Stadt wandern.” Er fährt mit dem Bus zurück und bricht am nächsten Tag auf nach B-Stadt - wird aber natürlich wieder genauso rasch erschöpft sein, weil er sich ja nie die Chance gibt, ein wenig über seine Grenzen zu gehen, so dass ein Trainingseffekt entstehen würde!

Der Kampf mit dem Dämon
Was kann man tun? Was soll man tun?

Eschbachs Antwort passt in das Konzept von Quest: “Es führt kein Weg daran vorbei, sich den ganzen furchtbaren Dämonen zu stellen - dem “ich-glaub-ich-kann-überhaupt-nicht-schreiben”-Dämon, dem “ich-schreibe-einen-Mist-zusammen”-Dämon, und dann noch den Dämonen der Geschichte selber: kann man eine Geschichte über eine tragische Liebe schreiben, ohne sich der schmerzhaften Erinnerung an die eigenen tragischen Lieben auszusetzen? Nein. Da muss man immer noch mal durch.”

Last but not least: Die Vielleicht-Liste
Jedes gute Zeitmanagement empfiehlt, zwischen echten Aufgaben und Ideen und Wünschen zu differenzieren.

Eschbach sieht das ähnlich: “Und was macht man nun mit den ganzen guten, frischen, verlockenden Ideen, die einen umschwirren, solange man an dem aktuellen Projekt arbeitet? Nun, man fängt sie ein und steckt sie erst mal in das große bunte Ideennotizbuch. In dem man später, wenn das aktuelle Manuskript fertig ist, wieder blättert, bis einen eine Idee daraus anspringt, aus der man das nächste Buch macht. Denn: Ideen müssen erst mal reifen. Abliegen. Gären. Substanz ansetzen. Wenn einem um 8 Uhr morgens eine Idee in den Sinn kommt, kann man sich nicht um 9 Uhr schon hinsetzen und einen tollen Text daraus machen. Man muss mit der Idee erst eine Weile schwanger gehen. Meine Romanideen sind alle mindestens 5 Jahre alt, ehe ich mich daran mache, wirklich einen Roman daraus zu machen. Selbst für Kurzgeschichten brauche ich ein paar Wochen Reifezeit.

In dieser Reifezeit entpuppen sich viele Ideen auch als Quatsch, anbei bemerkt. Die Zeit bringt es an den Tag. Und es wäre doch Blödsinn, sich dann allzuviel damit abgegeben zu haben, oder?

Diese Zitate stammen alle aus der wirklich sehr lesenswerten Site http://www.andreaseschbach.de/ (Menüpunkt “Übers Schreiben”).




Dieser Eintrag wurde hinterlegt am Dienstag, 7. Juli, 2009 um 12:01 in der Kategorie Allgemeines, Der Ruf. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS 2.0 RSS-feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben. Trackbacks sind zur Zeit nicht erlaubt.



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